Aszites bei Krebs: Ursachen und Besonderheiten

Aszites bei Krebs: Ursachen und Besonderheiten

Jeder zehnte Aszites steht mit einer Krebserkrankung im Zusammenhang und wird durch maligne („bösartige“) Tumorzellen ausgelöst, die meist ihren Ursprung in einem Tumor eines im Bauchraum gelegenen Organs haben. In  der Mehrzahl der Fälle ist der Auslöser eines malignen Aszites Eierstockkrebs oder ein Tumor des Verdauungssystems (Magen-, Darm- und Bauchspeicheldrüsenkrebs). Auch Fälle mit Aszites - infolge von Brustkrebs, werden zunehmend häufig beobachtet. Bei einigen Patienten lässt sich der Ursprungstumor nicht feststellen. Fachleute sprechen hier vom sogenannten CUP-Syndrom: Cancer of Unknown Primary (engl.): Krebs bei unbekanntem Primärtumor.

Die folgende Abbildung zeigt, welche Tumorarten wie häufig als Ursache des malignen Aszites gelten. Die Daten sind Ergebnisse eines Studienzentrums, das 209 Patienten mit malignem Aszites in Hinblick auf die Ursachen auswertete.

Tumorarten als Ursache des malignen Aszites
Tumorarten als Ursache des malignen Aszites

Nicht jeder Patient, der an einer der genannten Tumorarten erkrankt ist, bekommt zwangsläufig auch einen malignen Aszites. Tatsächlich sind davon nur wenige Patienten betroffen. Allerdings ist krebsbedingte Bauchwassersucht fast immer ein Zeichen für eine bereits fortgeschrittene Erkrankung. Die Prognose für Patienten mit malignem Aszites ist sehr ungünstig: Abhängig von Tumortyp und Tumorstadium haben sie oftmals nur noch eine Lebenserwartung von einigen Wochen oder wenigen Monaten.

Wie entsteht maligner Aszites?

Peripherer Aszites: Infiltrierende Tumorzellen in der Bauchhöhle

Meist ist maligner Aszites die Folge einer Peritonealkarzinose, dem Befall des Bauchfells mit Tumorzellen. Fachleute sprechen in diesem Fall von peripherem Aszites. Die in das Bauchfell metastasierten Tumorzellen stören das Gleichgewicht von Produktion und Abbau des Bauchwassers. Am Peritoneum wachsende Metastasen können einerseits vor den dort befindlichen Lymphabflüssen sitzen und so den Lymphabfluss blockieren. Andererseits setzen Tumorzellen den Wachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor) frei, der die Neubildung von Blutgefäßen anregt, die für die Versorgung der Tumorzellen mit Nährstoffen und Sauerstoff notwendig sind. VEGF führt außerdem dazu, dass sich die Durchlässigkeit der Blutgefäße erhöht. Dadurch kann mehr Flüssigkeit aus den erweiterten Kapillaren des Bauchfells in die Bauchhöhle eindringen.

Chylöser Aszites: Lymphabflussstörung durch Primärtumor

Bei manchen Krebspatienten sitzt der Tumor so ungünstig, dass er auf den Hauptabflussweg der Lymphe aus der Bauchhöhle, den „Ductus thoracicus“ drückt und diesen blockiert. In der Folge sammelt sich die Lymphflüssigkeit in der Bauchhöhle. Sie ist durch die aus dem Darm aufgenommenen Fette milchig-trüb („chylös“).

Zentraler Aszites und Hypalbuminämie bei Lebertumoren oder -metastasen

Eine seltenere Ursache malignen Aszites ist der Befall der Leber durch einen Tumor oder durch Metastasen: Zum einen kann die Ursache dafür ein erhöhter Druck in der Pfortader sein. Diese Vene leitet das Blut aus Magen, Darm, Milz und Bauchspeicheldrüse zur Leber. Ist durch den Druck von Tumor oder Metastasen der Blutfluss gestört, kommt es zu einem Rückstau und zu erhöhtem Druck in der Pfortader („portale Hypertension“). Dadurch wird Flüssigkeit durch die Aderwände in die Bauchhöhle gedrückt. Zum zweiten stören Tumoren und Metastasen in der Leber oft auch deren Funktion, z. b. die Produktion von Albumin. Dieses Bluteiweiß bewirkt, dass die im Blut enthaltene Flüssigkeit gebunden wird und nicht durch die Gefäßwände entweichen kann. Wird in der Leber zu wenig Albumin gebildet (Hypalbuminämie), kann das Wasser aus den Gefäßen in die Bauchhöhle strömen und einen Aszites verursachen.

Infizierter Aszites

Die gefährlichste Komplikation für Aszites-Patienten stellt die bakterielle Bauchfellentzündung dar, eine sogenannte spontane bakterielle Peritonitis. Diese entsteht, wenn Darmbakterien in die Bauchflüssigkeit eindringen und dort eine Infektion hervorrufen. Typische Symptome einer Bauchfellentzündung sind Schmerzen, Fieber und Gelbsucht. Da ein infizierter Aszites unbehandelt lebensbedrohlich ist, muss in dieser Situation umgehend eine Therapie mit Antibiotika eingeleitet werden.

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