Neue Therapieansätze

Einen modernen Therapieansatz in der internistischen und gynäkologischen Onkologie stellen zielgerichtete Therapien dar. War noch vor zehn Jahren eine Zerstörung von Tumorzellen nur über eine Chemotherapie als ungerichtetes und generell wirkendes „Zellteilungsgift“ möglich, können heute durch zielgerichtete Therapiestrategien einzelne Strukturen gezielt angegriffen werden. Meist handelt es sich hierbei um eine Antikörpertherapie, bei der Eiweißstoffe, sogenannte Antikörper, gegen das Ziel gerichtet sind und der Patientin als Infusion oder Injektion verabreicht werden. Diese Antikörpertherapien werden zunehmend zu einem festen Bestandteil onkologischer Therapien.

Antikörpertherapie

Auch für Patienten mit malignem Aszites wurde solch eine Antikörpertherapie entwickelt. Dieser Antikörper mit dem Namen Catumaxomab war speziell für Patienten mit malignem Aszites zugelassen und wurde als Infusion direkt in den Bauchraum verabreicht. Hier erwirkte der Antikörper eine Zerstörung der Tumorzellen, welche für die Produktion des Bauchwassers verantwortlich waren. Jedoch ist Catumaxomab als Medikament aktuell nicht auf dem Markt verfügbar. Wir hoffen, dass sich in der Zukunft wieder ein Vertriebsweg für dieses Medikament etabliert, damit diese wirkungsvolle Therapie wieder zur Verfügung steht.

Dennoch kommt aus der Familie der Antikörper auch eine neue Hoffnung für Patienten mit krebsbedingtem Bauchwasser. Der Antikörper Bevacizumab (Avastin®) ist gegen den Gefäßwachstumsstoff VEGF gerichtet. Da Tumorzellen diesen Wachstumsstoff benötigen, um Blutgefäße anzulocken, sich mit Nährstoffen zu versorgen und zu wachsen, wird dieser Antikörper in der Behandlung verschiedener Tumoren wie Eierstockkrebs, Brustkrebs, Dickdarmkrebs und vielen anderen als Tumortherapie eingesetzt.

Botenstoff  VEGF

VEGF spielt jedoch auch eine entscheidende Rolle in der Entstehung von malignem Bauchwasser (Aszites), da dieser Faktor die Blutgefäße im Bauchraum sehr durchlässig macht und so das Auslaufen von Flüssigkeit in den Bauchraum erst ermöglicht. So zeigt sich im Bauchwasser von Patienten mit malignem Aszites eine 40-fach höhere Konzentration von VEGF als in normaler Bauchflüssigkeit. In der Theorie wurde schon immer vermutet, dass eine Entfernung des Botenstoffes VEGF eine Therapie für malignen Aszites darstellen könnte. In einer Studie an Mäusen konnte gezeigt werden, dass diese Theorie richtig ist. Mäuse, deren Bäuche mit VEGF ausschüttenden Krebszellen beimpft worden waren, entwickelten Bauchwasser, während andere Mäuse deren Krebszellen im Bauch kein VEGF ausschütteten, auch kein Bauchwasser entwickelten. Auch konnte im Mausmodell das entstandene Bauchwasser durch einen VEGF-Hemmstoff wieder zurückgedrängt werden.

Erste Hinweise, dass eine Anti-VEGF-Therapie mit Bevacizumab (Avastin®) auch im menschlichen Körper funktioniert, lieferte die Studie AURELIA. In dieser Studie wurde Bevacizumab zusammen mit Chemotherapie bei Patientinnen mit platin-resistentem Eierstockkrebs zur Behandlung der Grunderkrankung eingesetzt. In einer nachträglichen Analyse wurde die Wirkung auf das Bauchwasser ausgewertet. Es konnte gezeigt werden, dass bereits nach kurzzeitiger Gabe von Bevacizumab über die Vene das Bauchwasser zurückging und keine Aszitespunktion mehr erfolgen musste, während andere Patientinnen der gleichen Studie, die nur mit Chemotherapie ohne zusätzliche Bevacizumab-Gabe behandelt wurden, weiterhin Bauchwasser aufwiesen.

Als Bewertung dieser Studienergebnisse scheint Bevacizumab als Antikörpertherapie auch Wirkung auf die Ausbildung von malignem Aszites zu haben. Jedoch muss gesagt werden, dass diese Therapie aktuell für den direkten Einsatz gegen Bauchwasser noch nicht zugelassen ist. Ein Einsatz könnte somit aktuell nur außerhalb der Zulassung nach Antrag an die Krankenkasse (off-label-use) eingesetzt werden.

Modernes Pumpsystem

Eine moderne und auch zugelassene neue Therapieoption für Patientinnen mit malignem Aszites bietet ein neuartiges Pumpsystem, die sogenannte Alfapump®. Der Behandlungsansatz, Bauchwasser in das Blut zurückzupumpen, wird bereits seit Längerem diskutiert. Bisher wiesen Pumpsysteme,  bei denen Plastikschläuche unter der Haut verlegt wurden, immer das Problem auf, dass auch Tumorzellen aus dem Bauchwasser in das Pumpsystem gelangten und für Schwierigkeiten sorgten: Einerseits kam es meist schnell zum Verstopfen des Pumpsystems, andererseits hatte man Bedenken, Tumorzellen in das Blut der Patientin zurückzupumpen, da sich diese dann im Körper der Patientin weiter verteilen könnten.

Beide Probleme löst das moderne Alfapump®-System: Es wird in einem kleinen chirurgischen Eingriff wie ein Herzschrittmacher unter der Haut eingepflanzt. Ein erster Plastikschlauch liegt im Bauchraum und saugt das Bauchwasser an, ein zweiter Plastikschlauch leitet das Bauchwasser in die Harnblase der Patientin. Das Bauchwasser kann so über einen normalen Toilettengang ausgeschieden werden. Wie viel Bauchwasser pro Stunde auf diese Weise entfernt werden soll, kann individuell eingestellt und – ähnlich wie bei einem Herzschrittmacher  – von außen durch einen auf die Haut aufzulegenden Computer programmiert werden, ohne dass die Patientin hierdurch Schmerzen hat. Das Verstopfen des Pumpsystems wird durch kleine Walzen verhindert, die in die Plastikschläuche geleiteten Inhalt zerquetschen. Eine Ausscheidung von Tumorzellen über die Harnblase scheint ungefährlich zu sein – eine Ausbildung von Krebsknoten in der Blase wurde bisher nicht beobachtet.

Das moderne Pumpsystem Alfapump® steht mittlerweile zur Verfügung. Mehrere  Kliniken in Deutschland, wie zum Beispiel die Charité in Berlin (Campus Virchow Klinikum, Leitung Prof. Dr. Sehouli),  haben bereits Erfahrungen mit der Einpflanzung und dem Management dieser neuen Therapieoption gesammelt.

Literatur ...